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MMag.Eugenia Radoslava: www.eugenia-radoslava.com.

Sobald ich zu spielen beginne, empfinde ich es als einen Teil von mir – als meine Sprache, mit der ich versuche, jeden zu erreichen, der mir zuhört. Wenn meine Hände die Tasten berühren, betrete ich mein persönliches Theater der Seele und beginne ein Monodrama zu spielen, in dem ich mich in verschiedene Rollen verwandeln muss. Ich strebe danach, das „schlafende Werk“ zu wecken und es so authentisch wie möglich darzustellen, indem ich es durch meine eigene Interpretation widerspiegele.
Für mich stand nie außer Frage, dass ich Pianistin werden wollte. Ich begann, im Alter von sechs Jahren, meine Ausbildung an der Musikschule in Sofia bei Prof. Milena Kurteva, die ich anschließend an der Nationalen Musikakademie in der Klasse von Prof. Anton Dikov fortsetzte. Mein Wunsch, mich weiterzuentwickeln, führte mich nach Wien – eine Stadt, mit der mich nicht nur die Musik, sondern auch meine Familiengeschichte verbindet. An dieser Stelle möchte ich kurz darauf eingehen:
Mein Großvater, Eugen Mayrovitch, war Österreicher, wurde aber in Varna geboren, da sein Großvater mütterlicherseits, der Bauingenieur Mario Jona, neben anderen Projekten wie dem Bau des Suez- und des Panamakanals auch am Bau der Häfen von Burgas und Varna beteiligt war. Eugen spielte auch Klavier, und als er nach Berlin ging, um Mineralogie zu studieren, wirkte er bei der Klaviervertonung von Stummfilmvorführungen mit. In Berlin lernte er meine Großmutter kennen, die dort Germanistik studierte, und nach Abschluss ihres Studiums beschlossen die beiden, nach Bulgarien zurückzukehren. Mein Großvater wurde zum Begründer des Bergbaus im Land und Mitglied der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Er besaß eine der reichhaltigsten privaten Mineraliensammlungen. Auch mein Vater, Ing. Dimitar Radoslavov, hat einen Beitrag für Bulgarien geleistet - er hat eine Reihe von Staudämmen in Bulgarien entworfen und gebaut. Mitglieder seiner Familie waren, vor dem Zweiten Weltkrieg, an der Regierung des Landes beteiligt.
An der Universität für Musik in Wien (MDW), wo ich mein Studium fortsetzte, hatte ich die außergewöhnliche Gelegenheit, in der Klasse von Prof. Noel Flores, der indischer Herkunft war, zu studieren und seine Sichtweise auf die Musik kennenzulernen. In dem von ihm entwickelten System zur freien Beherrschung der Klaviertechnik wendet er Prinzipien an, die aus der jahrtausendealten Kultur Indiens stammen und nicht nur auf die Perfektionierung der technischen Fähigkeiten abzielen, sondern auf das Erreichen völliger Freiheit und Natürlichkeit der Bewegung. Im Mittelpunkt steht dabei die Erkenntnis, dass der Pianist eine organische Verbindung zwischen Körper, Bewegung und Klang finden soll. Indem ich dieses System sowohl beim eigenen Spielen als auch beim Unterrichten anwende, habe ich es weiterentwickelt und verfeinere und bereichere es ständig. Ich schaffe in meinem Bewusstsein verschiedene Bilder und Handlungen, die anschließend meine Bewegungen lenken.
Ich versuche, vor allem in meinen Gedanken, eine vielschichtige Vorstellung aufzubauen, wie jeder einzelne Ton klingen soll, der zusammen mit allen anderen, Stein für Stein die gesamte „Kathedrale“ aufbaut. Pianisten sind Architekten, die ähnlich wie ihre „Kollegen“ ein Werk konzipieren, der jedoch jedes Mal ein wenig anders aussieht, weil es nicht an einem Ort steht, sondern sich wellenförmig durch die Zeit entfaltet. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Interpreten ist es, zuversichtlich zu sein, dass sie das, was sie dem Publikum vermitteln wollen, wirklich beherrschen, denn nur so können sie es überzeugend wiedergeben.
Wertvolle Impulse für meine weitere Entwicklung erhielt ich auch während meines Studiums der Kammermusik und Pädagogik bei Prof. Avedis Kouyoumdjian und Prof. Julika Behar sowie durch die zahlreichen Meisterkurse, an denen ich teilgenommen habe.

(Foto Ivan Radman, in der Philharmonie in Luxemburg)
Als Mitglied der internationalen Organisation „Art and Education in the XXI Century“, die von Prof. Dr. Eleonora Tkach von der „Staatlichen Musikakademie P. I. Tschaikowski“ in Kiew gegründet wurde, hatte ich die Gelegenheit, mit namhaften Musikern und Vertretern verschiedener internationaler Schulen in Kontakt zu treten, was meine berufliche und persönliche Entwicklung außerordentlich bereichert hat. Hauptziel der Organisation ist der Erfahrungsaustausch zwischen Lehrenden und Lernenden sowie jungen Musikern die Möglichkeit zu geben die Kultur verschiedener Länder kennenzulernen. Zu diesem Ziel organisieren wir Foren, die Konzerte, Wettbewerbe, Konferenzen und Meisterkurse in einer Reihe europäischer Länder, in China und Indien stattfinden. Als Vertreterin Österreichs nehme ich aktiv daran teil – als Jurymitglied, Interpretin, Dozentin und Kuratorin.
Unter den Wettbewerben, bei denen ich als Jurymitglied wirke, möchte ich den inklusiven Wettbewerb „Viva Piano“ erwähnen, der von Prof. Dr. Daniela Dikova gegründet wurde. Sein Ziel ist es, Musikliebhabern aller Altersgruppen eine Bühne zu bieten und sie zu unterstützen, wobei jährlich Hunderte von Teilnehmern aus verschiedenen Ländern zusammenkommen. Veranstaltungen wie „Viva Piano“ tragen zur ganzheitlichen Entwicklung, Verbreitung und Demokratisierung der Kunst bei. Für uns alle, die wir im Saal sitzen und zuhören, wie ein blindes Mädchen makellos virtuose Werke vorträgt oder ein Junge mit völlig beeinträchtigtem Gehör, der die Schwingungen der Töne nur über ein Hörgerät wahrnimmt, es dennoch schafft, ein Stück zu spielen, nimmt dieser Wettbewerb einen ganz besonderen Platz ein. Manchmal hören wir Darbietungen, die großen Konzertsälen würdig sind, ein anderes Mal erleben wir eigenwillige, aber zugleich sehr originelle und überzeugende Interpretationen von Werken, die sich völlig von ihrem allgemein üblichen Vortrag unterscheiden. Dann stellen wir uns die Frage: „Warum nicht auch so?“
Neben meinen anderen vielfältigen Aktivitäten engagiere ich mich auch aktiv für wohltätige Zwecke, denn die Unterstützung von Bedürftigen hat für mich einen hohen Stellenwert. Als Kurator und Interpret nehme ich an Benefizkonzerten teil, wie beispielsweise an dem im „Haus Wittgenstein“ im Jahr 2004 zugunsten des „Heims für Kinder und Waisen“ in Blagoevgrad. Ich bin stellvertretender Vorsitzender der Organisation „Wir sind Musik“, die ehrenamtlich tätig ist, Vereine wie „Superar“ unterstützt und große Musikprojekte wie Musicals und Operetten realisiert, die sich beim Publikum und in den Medien großer Beliebtheit erfreuen.

Es ist für mich eine große Freude und ein Privileg, dass ich die Möglichkeit habe, in verschiedenen Ländern Konzerte zu geben. Die Begegnungen mit dem Publikum und dessen Kultur bereichern mich und bringen mir neue Inspiration. In den vergangenen Monaten gab ich Konzerte in Malta, Luxemburg und Österreich und nahm mit meinen Schülern an den Wettbewerben „Viva Piano“ und „Prima la Musica“ teil. Für die aktuelle Saison sind Tourneen nach Luxemburg, Österreich, Island, Italien, Bulgarien, Mexiko, San Salvador und Costa Rica mit verschiedenen Kammermusikensembles geplant. Außerdem arbeite ich an unserem neuen Projekt – der Inszenierung von „The Sound of Music“, die im Oktober in Klosterneuburg stattfinden wird. Außerdem bereite ich gemeinsam mit meinen Kollegen vom Ensmble „Sapiace“ – Álvaro Collao León, einem der herausragendsten europäischen Saxofonisten, und dem bedeutenden Cellisten Matthias Gredler, langjähriges Mitglied des weltberühmten „Wiener Klaviertrios“ – eine neue CD vor.
Zu den wertvollen Begegnungen, die mir meine intensive Konzerttätigkeit beschert hat, gehören jene mit zeitgenössischen Komponisten. Ich möchte einige Gedanken und Eindrücke aus meiner langjährigen Zusammenarbeit mit einigen von ihnen teilen. Meiner Meinung nach sollte zeitgenössische Musik ein fester Bestandteil des Repertoires heutiger Musiker sein. Sie spiegelt nicht nur die Tendenzen der musikalischen, sondern auch der sozialen und politischen Entwicklung der Gesellschaft wider, greift aktuelle Themen auf und bezieht andere Kunstformen mit ein, um die Ausdruckskraft zu verstärken.
Die Komponisten nutzen elektronische und visuelle Effekte sowie vielfältige Techniken, um experimentelle Werke in unkonventionellen Formen zu schaffen; sie suchen nach neuen Klängen der Instrumente und nutzen dabei deren inneren und äußeren Korpus. Es werden zusätzliche Effekte durch Gegenstände eingeführt, die Töne erzeugen, wie zum Beispiel der E-Bow – ein elektronischer Adapter, der an den Saiten des Flügels angebracht wird und diese durch Magnetwellen zum Schwingen bringt – oder eine tibetische Klangschale, deren Klang, vermischt mit dem der Instrumente, dem Werk einen mystischen Charakter verleiht.
Ein weiteres interessantes Beispiel ist die Verwendung der Bogenhaare eines Streichinstruments, mit denen die Saiten des Flügels gezupft werden, um sie auf ungewöhnliche Weise erklingen zu lassen, oder die Verwendung multiphoner Klangstrukturen. Die oben genannten Techniken werden beispielsweise von den Komponisten Albena Petrovic Vratchanska, Michael Gredler, Rainer Bischof und Álvaro Collao León in ihren Werken verwendet, die unserem Ensemble „Sapiace“ gewidmet sind. Für mich ist es interessant und herausfordernd, zeitgenössische Werke aufzuführen, da ich es liebe, zu experimentieren und unterschiedliche Bilder und Stimmungen darzustellen. Ich habe an Aufnahmen für eine Reihe von CDs mitgewirkt, darunter auch solche mit zeitgenössischer Musik wie „Ways“ und „Golden Lights“, gemeinsam mit der luxemburgischen Flötistin Maria Miteva, die Werke luxemburgischer und bulgarischer Komponisten enthalten. Eine weitere ähnliche Produktion ist die CD „Sanctuary“ mit Vokalwerken von Albena Petrovic Vratchanska und unter Mitwirkung der deutschen Sängerin Anna Bineta Diouf.
Unter meinen übrigen Alben möchte ich „Fantastia“ erwähnen, welches unter anderem, Uraufführungen französischer Werke für Saxofon und Klavier enthält, sowie die Alben aus der Reihe „Piano, Piano“, die zu den zehn meistverkauften Alben in Deutschland im Jahr 2009 zählen.

(Foto Andrey Fomenko - mit Michael Krenn in Stavropol, Russland)
Abschließend möchte ich noch ein paar Gedanken zur Musik teilen. Für mich ist sie etwas, ohne das ich mir meinen Alltag kaum vorstellen könnte. Sie bringt mich dazu, mich ständig weiterzuentwickeln, nach Neuem zu suchen und vor allem ich selbst zu sein. Als Pianistin glaube ich, dass es am wichtigsten ist, neugierig und aufrichtig gegenüber dem zu bleiben, was man tut. Ich möchte weiterhin nach neuen Wegen suchen, meine Gefühle auszudrücken, meine eigene Stimme zu finden und sie mit den Menschen zu teilen. Das ist auch der Sinn der Musik – Verbindungen zu schaffen und etwas hinter sich zu lassen.
Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihr Interesse an mir und für die Gelegenheit, mich den Lesern vorstellen zu dürfen.
Das Interview wurde geführt von Svetlana Zheleva und Dessislaw Pajakoff
Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits ist Facharzt für Orthopädie, Traumatologie und Unfallchirurgie mit besonderem Schwerpunkt auf Kniegelenk, Hüftgelenk, Knorpelschäden, Gelenkerhalt, Arthrosebehandlung, regenerativer Medizin sowie moderner Unfallchirurgie.
In seiner Ordination in Wien stehen die präzise Diagnostik und individuelle Behandlung von Beschwerden und Verletzungen des Bewegungsapparates im Mittelpunkt. Behandelt werden unter anderem akute und chronische Gelenkbeschwerden, Sportverletzungen, Meniskus- und Bandverletzungen, Knorpelschäden, Arthrose, Sehnenverletzungen sowie Knochenbrüche und Folgen von Unfällen.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Traumatologie und Unfallchirurgie, insbesondere die Behandlung von Knochenbrüchen, Gelenkverletzungen und posttraumatischen Beschwerden. Ziel ist eine möglichst anatomische Wiederherstellung, eine stabile Versorgung und eine rasche funktionelle Rehabilitation.
Besondere Expertise besteht im Bereich der Knorpeltherapie, Arthrosetherapie und regenerativen Gelenkmedizin. Moderne orthobiologische Verfahren wie Eigenbluttherapien, Hyaluronsäure, zellbasierte Verfahren und knorpelregenerative Behandlungskonzepte können – je nach Befund – eingesetzt werden, um Schmerzen zu reduzieren, Entzündungen zu beruhigen und Gelenke möglichst lange zu erhalten.

Neben gelenkerhaltenden Therapien bietet Univ.-Prof. Dr. Marlovits auch moderne Gelenksprothetik an. Dazu zählen minimal-invasive und gewebeschonende Verfahren beim künstlichen Knie- und Hüftgelenkersatz. Der Einsatz moderner Implantate und präziser Operationstechniken ermöglicht eine individuelle Anpassung an die anatomischen und funktionellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.
Die Einzigartigkeit der Ordination liegt in der Verbindung von universitärer Erfahrung, wissenschaftlicher Expertise, moderner operativer Medizin und einem klaren Schwerpunkt auf Knorpelregeneration, Orthobiologie, Gelenkerhalt und hochwertiger Gelenksprothetik. Für jede Patientin und jeden Patienten wird ein maßgeschneidertes Behandlungskonzept erstellt – von der exakten Diagnostik über konservative und regenerative Therapien bis hin zur minimal-invasiven Operation, wenn diese notwendig ist.
Ordination:
Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits
Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportraumatologie
Schwerpunkte: Knie, Knochen, Knorpel, Gelenke, Arthrose, Sportverletzungen, Knochenbrüche, Regenerative Medizin, Gelenkerhalt und moderne Gelenksprothetik
Websites: www.marlovits.at und www.knorpel.at
Wie haben Sie zur Musik gefunden? Wer hat sie beeinflusst? Hat jemand Sie eingeführt?
- Mein musikalischer Weg begann ganz selbstverständlich im Elternhaus. Meine erste Lehrerin war meine Mutter, Krasimira Ivanova, die die Grundlagen meines musikalischen Denkens von frühester Kindheit an prägte und mit der ich bis zu meinem 18. Lebensjahr intensiv gearbeitet habe. Die Begegnung mit Sultana Markovska erwies sich anschließend als entscheidend – sie steht in der Tradition der großen russischen Schule, und über mehr als ein Jahrzehnt hinweg arbeiteten wir intensiv an Klang, Detail und jener Disziplin, die jeder ernsthaften Interpretation zugrunde liegt.

Mit 18 Jahren kam ich nach Wien, um mein Studium bei Oleg Maisenberg fortzusetzen – ein Umfeld, das meinen Horizont deutlich erweitert und meine Arbeit in einen größeren künstlerischen Kontext gestellt hat.
Sie musizieren gemeinsam mit Ihrem Bruder. Welche Dinge machen Sie noch gemeinsam?.......Gibt es einen Wettstreit zwischen ihnen beiden?
- Mein Bruder und ich gehören nicht zu den Musikern, die ständig gemeinsame Projekte suchen. Wenn wir jedoch zusammen auf der Bühne stehen, ist die künstlerische Idee sehr klar: ein Niveau zu zeigen, das keine Kompromisse kennt. In den vergangenen Jahren gab es einige solcher Konzerte, bei denen es uns genau darum ging – den Unterschied zwischen oberflächlichem Musizieren und echter, substantieller Arbeit am Instrument hörbar zu machen.

Bitte erzählen Sie uns über Ihre Zusammenarbeit mit Maria Ramlachanova Ihrer Ehefrau. Was unterscheidet sie von anderen Violinistinnen?
Die Zusammenarbeit mit meiner Frau Maria basiert auf einem klaren Prinzip: absolute Gleichberechtigung auf der Bühne und vollständige Freiheit in der musikalischen Gestaltung. Sie ist eine Musikerin, die das Risiko nicht scheut – im Gegenteil, sie greift oft zu anspruchsvollem und herausforderndem Repertoire mit einer Spontaneität, die eine starke Bühnenpräsenz erzeugt. In der Vorbereitung strukturiere ich häufig die Programme, doch im Moment des Musizierens ist das Gleichgewicht vollkommen – genau das macht unsere gemeinsame Arbeit lebendig und unvorhersehbar.
Bitte erzählen Sie uns mehr über die beiden bevorstehenden Events : Der eine steht Ende April bevor der zweite im Juni. Das sind nicht nur Termine im Kalender für Sie, wie Maria bemerkt. Beide sind außergewöhnliche Projekte, musikalische Höhepunkte.
Sie sind eine konsequente Fortsetzung einer Linie, in der das Programm nicht als bloße Abfolge von Werken verstanden wird, sondern als klar durchdachtes Konzept. Gerade im zweiten Konzert stellt der Fokus auf Liszt die Frage nach Technik nicht als Selbstzweck, sondern als Ausdrucksmittel – ein Aspekt, der im heutigen pianistischen Denken häufig verloren geht.
Informationen zur Reihe: https://kulturvereinamadeusite.com/klavier-total/
Online-Tickets: https://shop.eventjet.at/de/faf9c3d8-2d98-493c-89a3-b4f4a9cde160

Wenn man von einem „musikalischen Gipfel“ sprechen möchte, dann ist es kein einzelnes Konzert, sondern ein langfristiges Projekt: die Aufführung aller Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt. Dieses Vorhaben verlangt nicht nur physische Ausdauer, sondern vor allem eine klare dramaturgische Konzeption und ein stilistisches Verständnis, das über reine Virtuosität hinausgeht.
Das Projekt wird in verschiedenen Konzertformaten weitergeführt und unter anderem im November 2026 erneut im Ehrbar Saal präsentiert.
Wie erholen Sie sich zu Hause – Ihre Kinder musizieren, Sie kommen aus einer Familie die eng mit der Musik verbunden ist. Auch Ihr Bruder ist ein Virtuose. Welche Themen interessieren Sie beide noch außer der Musik?
Das Leben abseits der Bühne ist weit weniger spektakulär, als man vielleicht vermuten würde. Der Alltag besteht aus Organisation, Kommunikation, Studioarbeit, Projektplanung – und natürlich Zeit mit der Familie. Wir haben zwei Kinder, die bereits ihre eigenen musikalischen Wege gehen, doch die Gespräche zu Hause drehen sich nicht ausschließlich um Musik. Für mich ist Schach ein wichtiger Ausgleich – ein Feld, mit dem ich mich seit einigen Jahren intensiv beschäftige und das in seiner Konzentration, strategischen Tiefe und Geduld viele Parallelen zur Musik aufweist.

Das Interview wurde geführt von Svetlana Zheleva und Dessislaw Pajakoff
Frau Ramalchanova, Sie sind tatsächlich schon seit Ihrem dritten Lebensjahr mit der Musik verbunden, und Ihre gesamte Kindheit war von Musik geprägt. Gab es überhaupt Zeit für Spiele und kindliche Streiche?
- Ja, das stimmt – ich habe sehr früh angefangen. Als kleines Kind habe ich an der Tür des Klavierraums gelauscht, der sich in meinem Kindergarten befand. An Details erinnere ich mich nicht, aber man hat mir erzählt, dass ich alles, was ich hörte, sofort auf den Tasten des Klaviers nachgespielt habe... Mit 3 begann meine musikalische Reise, und mit 4 begegnete ich der Geige... Obwohl mein absolutes Lieblingsinstrument das Klavier ist, habe ich mich für die Geige entschieden, weil sie mir viel leichter fiel...
Ich hatte Zeit zum Spielen, ich hatte Zeit für Freunde, aber alles hatte seine Grenzen. Ich bin in einer Familie mit Mädchen aufgewachsen – ich habe eine ältere Schwester, und mein Vater war ein strenger Mensch. Trotzdem war ich ein rebellisches Kind – ich habe mit den Jungs Fußball gespielt und mich von klein auf besser mit Jungen verstanden als mit Mädchen. Ich war nie ein „verwöhntes" Kind. Gleichzeitig war ich sehr sensibel und habe schon früh gespürt, dass es nicht leicht ist, Dinge zu teilen. Manchmal wurden geteilte Momente von Enttäuschungen begleitet, und so begann ich schon in sehr jungen Jahren, Tagebücher zu führen... Das war mein sicherer Ort, an dem ich meine Träume, Ziele und auch meine ersten Gefühle festhielt – und das hat mich als Mensch sehr geprägt, besonders im Schreiben und im Nachdenken.
Ich wollte schwimmen und habe mich selbstständig zum Schwimmen angemeldet. Mit Freunden sind wir heimlich mit dem Fahrrad zur Ruderbasis in Plovdiv gefahren, und ich war gut darin. Irgendwann wurde sogar darüber gesprochen, mich an einer Sportschule weiter zu trainieren. Damals sagte ich ihnen jedoch, dass ich eigentlich Musikerin bin und mein Weg die Musik ist... Meine Eltern fanden später heraus, dass ich über Monate hinweg jede Woche heimlich zum Schwimmen gegangen war... Natürlich wurde ich danach für eine gewisse Zeit bestraft und durfte nicht ausgehen.
Es waren schöne, wilde Kinderjahre! Bis der Moment kam, in dem ich selbst wirklich spielen wollte, in dem ich eine konkurrenzfähige Musikerin werden wollte. Es zog mich immer mehr in die musikalische Welt. Alle meine Freunde waren Musiker. Es gab aber auch Zeit für Kinderdiscos am Freitagabend und für Partys mit meinen Mitschülern! Es war eine sehr fröhliche Zeit!

Wie ist es, Schülerin von Prof. Mario Hossen zu sein? Ist er der Lehrer, der Sie als Geigerin am meisten geprägt hat?
- Ich, Jaki Preis, Rosi Chopeva, Lora Ganeva – wir gehören zu den ersten Studierenden von ihm an der Neuen Bulgarischen Universität in Sofia. Ich bin eher zufällig bei ihm gelandet, da mein ursprünglicher Plan ein Studium in den USA war. Doch in der Arbeit mit ihm habe ich eine Quelle gefunden, aus der ich schöpfen wollte.
Er ist ein außergewöhnlicher Pädagoge und hat uns etwas geboten, das man nicht oft findet – eine Kombination aus Hochschulausbildung und künstlerischer Weiterentwicklung auf der Bühne. Ständige Konzertauftritte. Kontinuierliche Arbeit mit vielfältigem Repertoire. Meisterkurse, Akademien, Auftritte als Solisten mit verschiedenen Philharmonieorchestern in Bulgarien. Es war einfach wunderbar!
Er ist ein herausragender Musiker, sehr charismatisch. Er stand mit uns, seinen Studierenden, auf Augenhöhe auf der Bühne, und wir hatten die Möglichkeit, sozusagen „im Tun" zu lernen. Er hat mich dazu inspiriert, in Europa zu bleiben... unser Zusammentreffen war zur richtigen Zeit bestimmt. Dank ihm konnte ich mit einem Erasmus- Stipendium nach Wien kommen.
Ich werde ihm immer dankbar sein – nicht nur für die Erfahrung als Studentin bei ihm, sondern auch später, als ich stark in die Organisation der Sommerakademie in Wien eingebunden war.
Ich habe über 30 Diplome von Meisterkursen bei verschiedenen Professoren, und mit der Zeit habe ich die Überzeugung entwickelt, dass man nicht allem und jedem glauben sollte. Wir, besonders Menschen in der Kunst, sind sehr emotional, aber ich denke, wir müssen lernen, Informationen zu filtern und nicht alles ungeprüft anzunehmen.
Ich verlasse mich stark auf meine Intuition und höre sehr intensiv auf meine innere Stimme. Ich bin der Meinung, dass man aus jeder Begegnung nur das mitnehmen sollte, was einem wirklich hilft und beeindruckt. So nimmt man aus jeder Unterrichtsstunde, von jedem Lehrer, ein oder mehrere „Farben" mit... und mit der Zeit entsteht daraus die eigene, ganz persönliche „Palette", die einzigartig ist – und genau das bist du als Musiker.
Jeder meiner Lehrer hat mir viel gegeben und mich etwas gelehrt, wofür ich natürlich sehr dankbar bin.
Inwiefern hat das Studium der Wirtschaft Ihre musikalische Wahrnehmung beeinflusst?
- Die Neue Bulgarische Universität war ein Ort der Innovation. Sie war damals eine junge Institution – in den Jahren 2006–2007, als ich dort zu studieren begann, und zwar nur, weil ich die Möglichkeit hatte, bei Prof. Hossen zu studieren. An der NBU geschah alles in sehr hohem Tempo. Es gab ein Kreditsystem, das damals noch keiner von uns wirklich verstand, während heute ganz Europa damit arbeitet. Außerdem wurden Erasmus-Stipendien angeboten.
Obwohl es eine teure Universität war, setzte ich mir das Ziel, alle Investitionen meiner Eltern zurückzuzahlen, und bewarb mich für alle möglichen und unmöglichen Stipendien. Bereits im zweiten Jahr hatte ich mehrere Stipendien erhalten. Danach wurde ich zur „Studentin des Jahres" des Fachbereichs Musik an der NBU gewählt, was mir eine zweite Studienrichtung kostenlos ermöglichte.
Die Bedingung war, eine „Minor"-Fachrichtung zu wählen, die sich grundlegend von der Musik unterscheidet. So entschied ich mich für Wirtschaft – „Betriebswirtschaftslehre und Management kleiner Unternehmen".
Ich komme aus einer Familie mit einer Buchhalterin und einem Unternehmer. Mein Vater war ein großes Vorbild und hat sich sehr über meine Wahl gefreut. Dieses so unterschiedliche Studium brachte mich dazu, mich in die Lage eines durchschnittlichen Menschen zu versetzen. Die meisten meiner Kommilitonen in diesen Kursen hatten keine besonderen Talente oder Fähigkeiten, und für mich war es eine Herausforderung zu sehen, ob ich mich auch dort wieder behaupten und hervorheben kann.
Die Wirtschaft hat mich gelehrt, wie eine Unternehmerin zu denken, und das Beispiel meiner Familie zeigte mir in der Praxis, wie die Dinge in diesem Bereich funktionieren. Meiner Meinung nach war die Wirtschaft ein Impuls, an meine Fähigkeiten auch außerhalb meines musikalischen Talents und meiner spezialisierten musikalischen Ausbildung zu glauben.
Gleichzeitig interessierten mich auch andere Bereiche – Numerologie, Astrologie und ganz besonders Psychologie. Heute verbinde ich all diese Interessen miteinander. Ich nehme jede Herausforderung an, die mich interessiert, und betrachte die Dinge aus verschiedenen Perspektiven.
Ich bin der Meinung, dass dieses zweite Studium meinen Horizont enorm erweitert hat und mich aus meiner Komfortzone herausgeholt hat. Es stellte mich vor Herausforderungen, denen ich sonst nie begegnet wäre... Und es war für mich ein großer Stolz, auch in einem so anderen Bereich erfolgreich zu sein und mich zu beweisen.
Ich ging nach Wien und entwickelte mich parallel zu den neuen Eindrücken in der musikalischen Welt als Erasmus- Studentin weiter. Trotz der Sprachbarriere – denn mein „Komfortbereich" war damals noch Englisch – und trotz der 30 ECTS-Punkte, die ich in einem Semester in Bulgarien nachweisen musste, um mein Stipendium zu behalten, setzte ich
mein Wirtschaftsstudium fort. Ich nahm online an Vorlesungen teil, schrieb Hausarbeiten und reichte sie ein – alles von Wien aus.
In einer Zeit, in der sich in Bulgarien vieles erst entwickelte, um sich an europäische und internationale Standards anzupassen, bot die NBU einzigartige Möglichkeiten. Für mich war das der richtige Weg, der mich damals inspirierte, mich nicht nur als Musikerin, sondern auch als künstlerische Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Zu erschaffen, zu leiten, zu organisieren – sei es ein Festival, ein Meisterkurs oder eine Sommerakademie, oder wie in meinem Fall eigentlich alles, was ich berühre.
Meiner Meinung nach gibt es zwei Arten von Menschen – die einen sind hervorragende Ausführende, Mitarbeiter, die in einem Team notwendig und wertvoll sind, und die anderen sind die sogenannten Leader. Diejenigen, die ein Team führen, Regeln schaffen und Verantwortung übernehmen. Ich gehöre definitiv zur zweiten Gruppe, und es ist meine große Leidenschaft, etwas aus dem Nichts zu erschaffen, weiterzuentwickeln, mit Partnern und Sponsoren zu arbeiten, gleichzeitig im Hintergrund und im Zentrum von Ereignissen zu stehen, den Verlauf zu bestimmen und Prozesse zu koordinieren.
Maria Ramalchanova verbindet Virtuosität mit einer Philosophie des Geschichtenerzählens durch Musik und beteiligt sich aktiv am kulturellen Leben der Bulgaren in Österreich. Das sagt die Künstliche Intelligenz über Sie – schmeichelt Ihnen das?
- Ich glaube nicht, dass mir das schmeicheln sollte. Die Künstliche Intelligenz sieht nur das, was in den Medien und auf Webseiten über mich geschrieben steht.
Ich bin so viel mehr als das... (hier lache ich – ein wenig unbescheiden ? ).
Ich bin Geigerin, Kammermusikerin, Geigenpädagogin und Orchestermusikerin. Ich bin Mutter von zwei Kindern und seit über 10 Jahren Ehefrau. Ich bin Autorin einer Kinderbuchreihe. Ich erschaffe schöne Veranstaltungen und organisiere und leite diese mit großer Freude. Ich stehe an der Spitze unseres Kulturvereins in Wien. Über viele Jahre hinweg habe ich mit Ausdauer meine eigene private Geigenklasse aufgebaut sowie zahlreiche Kurse, die ich bis heute mit großer Leidenschaft leite.
Ich habe mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in über 20 verschiedenen Orchestern, in einigen davon war ich über viele Jahre tätig – wie zum Beispiel im Orchester des Theaters Baden (bei Wien), wo ich sieben sehr intensive Jahre als Substitutin verbracht habe, oder im Filmorchester „Synchron Stage", mit dem zahlreiche Hollywood-Produktionen aufgenommen werden und das inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht hat. Dazu kommen natürlich zahlreiche Tourneen – ich habe etwa die halbe Welt bereist: von Asien über den arabischen Raum, Israel und Palästina bis hin nach Amerika.
Ich war auch als Geigenlehrerin und Mentorin in der Organisation des großen, noch lebenden Maestros Daniel Barenboim tätig und durfte im Herbst 2019 eine außergewöhnliche Erfahrung machen, als ich mitten im Krieg und unter Bomben in Palästina mit talentierten Musikern gearbeitet habe. Ein Projekt, das mich nachhaltig verändert hat – nicht zuletzt, weil ich dort mein Leben hätte verlieren können.
Ich hatte außerdem die Ehre und das Glück, Anfang 2020 in Guangzhou, China, einen dreiwöchigen Meisterkurs zu leiten – mit Orchester, Solisten, Workshops und allem, was Musik inspirierend macht... und ich bin gerade noch rechtzeitig zurückgekehrt, denn eine Woche später wurden die Grenzen geschlossen und die Welt begann die Corona- Pandemie zu erleben...
Also ja – die Künstliche Intelligenz hat noch einiges über mich zu lernen ?
Seit diesem Jahr habe ich außerdem etwas Neues begonnen, das mich schon lange beschäftigt – zwei Online- Businesses, natürlich verbunden mit Musik und musikalischen Themen, die jedoch für die breite Öffentlichkeit noch eher im Hintergrund bleiben.

Was bedeutet eigentlich Ihr Nachname Ramаlchanova?
- Ich habe mich selbst oft gefragt, was er bedeutet. Soweit ich weiß, geht alles auf den bulgarischen „Chan" zurück – diese typische kleine Glocke in verschiedenen Größen. Mein Ururgroßvater ist nach Plovdiv gezogen und war Schmied, ein Handwerker. Vor seiner Tür hingen viele dieser Glocken. Und so entstand nach und nach im Volksmund der Ausdruck „bei dem mit den Glocken" – „bei dem Chan" – „Ramаlchan"... und als die Namen offiziell registriert wurden, schrieb man schließlich „Ramаlchanov". So entstand der Familienname Ramаlchanov bzw. Ramаlchanova.
Zumindest ist das die Geschichte, die ich kenne. Interessant ist, dass dieser Nachname in Bulgarien einzigartig ist. Genau aus diesem Grund – wegen seiner Seltenheit – habe ich mich entschieden, ihn als Teil meines Namens zu behalten, auch nachdem ich nach meiner Heirat zusätzlich den Namen Ivanov angenommen habe. Wenn Sie also
jemandem mit dem Namen „Ramаlchanov" begegnen, wissen Sie – er gehört zu unserer Familie?
Sie spielen auf einer Geige aus dem Jahr 1725 – wie fühlt sich das an? Und was steht als Nächstes an?
- Ich habe im Laufe der Zeit auf verschiedenen Instrumenten gespielt. Meine erste eigene Geige war ein modernes Instrument aus dem Jahr 2001, das meine Eltern 2003 für mich gekauft haben. Hier in Österreich hatte ich die Möglichkeit, viele verschiedene Instrumente kennenzulernen – eines davon war diese alte Schönheit aus dem Jahr 1725. Sie gehörte mir zwar nicht, wurde mir jedoch von Mäzenen zur Verfügung gestellt, und ich hatte die Möglichkeit, fünf Jahre lang auf ihr zu konzertieren.
Im Jahr 2024 – übrigens genau am Geburtstag meines inzwischen verstorbenen Vaters, am 17. Januar – habe ich mein erstes eigenes Instrument gekauft, vollständig mit eigenen Mitteln: eine schwedische Meistergeige aus der Äberg- Schule, gebaut im Jahr 1820. Ein fantastisches Instrument.
Das Gefühl, ein altes Instrument zu spielen, ist etwas ganz Besonderes. Manchmal wirkt es zunächst fremd oder sogar abweisend, manchmal spürt man sofort eine starke Anziehung – so stark, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte... Ich habe jedoch ein sehr ausgeprägtes erstes Gespür und verlasse mich auf diesen ersten Eindruck. Wenn er positiv ist, bleibt er es und entwickelt sich weiter.
Wenn ich ein Instrument in die Hand nehme, brauche ich etwa 15–20 Minuten, um zu spüren, ob es mich anspricht, ob ich es „fühle" – und entsprechend, ob wir miteinander „auskommen" werden oder nicht ?
Sie haben verschiedene musikalische Projekte – erzählen Sie uns mehr darüber.
- Die Projekte, an denen wir arbeiten, sind mehrere und ihre Anzahl kann sich jedes Jahr verändern. Wir organisieren auch viele Sommerprojekte, die mit Gruppen verbunden sind, und jedes Jahr begrüßen wir unterschiedliche Teilnehmer. Dieses Jahr erwarten wir zum Beispiel eine Gruppe von Musikern aus der arabischen Welt, für die wir in Wien als Organisatoren und Dozenten tätig sein werden.
Wir haben auch ein Projekt, das in Bulgarien stattfindet, und dieses Jahr werde ich bereits zum dritten Mal österreichische Teilnehmer nach Bulgarien bringen – zu unserem Festival „Musik ohne Grenzen". Die diesjährige
Ausgabe wird, wie auch im letzten Jahr, im August in Sozopol stattfinden. Wir kombinieren Konzerte mit Meisterkursen – Geigenunterricht bei mir und Klavierunterricht bei meinem Ehemann Martin Ivanov.
Das ist ein sehr wertvoller Moment für uns, in dem wir die Möglichkeit haben, intensiv mit bulgarischen Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Solche Projekte haben eine Mission – und zwar den Wunsch, in der kurzen Zeit von nur wenigen Tagen die nächste Generation von Musikern zu inspirieren, sie musikalisch aufzuladen, ihnen Ressourcen, Wissen und Motivation zu geben und all das weiterzugeben, was wir selbst außerhalb Bulgariens gelernt haben – und womit wir ihnen nicht nur musikalisch, sondern auch durch Kontakte helfen können.
Dieses Projekt hat auch eine Konzertmission, und je nach Leistung und Entwicklung während des Unterrichts vergeben wir Preise – professionelle Aufnahmen in Wien sowie ein Konzert in unserem Musikstudio.
Ein solcher Ort sollte keine Barrieren setzen... Deshalb organisieren wir auch Workshops, in denen wir über Medien, den Musikmarkt und Musikpsychologie sprechen. Somit ist ein solches Projekt weit mehr als nur einige Maisterkurs-Stunden... Wir teilen unsere Erfahrungen bei der Suche nach geeigneten Notenausgaben, diskutieren Aufnahmen großer Instrumentalisten und geben unsere berufliche Perspektive weiter – aus der Sicht von Musikern, die bereits den nächsten Schritt gegangen sind: das professionelle Konzertleben... auch wenn wir selbst noch in unseren 30ern sind.

( Fotocredit Sedrick Kolleriks )
Kann man sagen, dass sich Ihr Leben in zwei Teile gliedert – vor und nach der Begegnung mit Martin?
Was für eine schöne Frage – danke dafür! Ja, mein Leben lässt sich tatsächlich genau so in zwei Teile teilen – vor und nach meiner Begegnung mit Martin...
Als wir uns als Studierende kennengelernt haben, haben wir zunächst gemeinsam auf der Bühne gespielt... ich war begeistert von seinem Musizieren, von seinem Talent... wenn man bedenkt, dass ich mit vielen Pianisten zusammengearbeitet habe – was auch ganz natürlich ist, da mein Instrument fast immer eine Klavierbegleitung braucht, sei es in Solostücken oder Violinkonzerten – ist die Zusammenarbeit mit einem Begleiter bzw. Bühnenpartner essenziell...
Als ich ihn zufällig an der Musikuniversität in Wien traf, stellte ich ganz spontan die Frage, ob wir gemeinsam ein Konzert spielen könnten (da ich wieder einmal eine Begleitung brauchte). So standen wir schon ein oder zwei Wochen nach unserem Kennenlernen gemeinsam auf der Bühne.
Das Gefühl von Stabilität, Musikalität, Kontakt, Humor und Professionalität – all das in einem – war sofort da... besonders wenn man bedenkt, dass er kaum probt – um nicht zu sagen: als begleitender Pianist probt er praktisch gar nicht... und dann steht er auf der Bühne und spielt einfach genial... Ich war tief beeindruckt.
Zuerst habe ich mich in den Pianisten verliebt, dann in den Komponisten – denjenigen, der mir ein Werk geschrieben und gewidmet hat – dann in den Romantiker, denn wir waren zuerst Freunde... und schließlich in Martin.
Unsere Beziehung basiert vor allem auf Gesprächen. Wir sind beide sehr philosophisch veranlagt und besprechen gemeinsam alles, was um uns herum geschieht. Wir schauen in die gleiche Richtung, entwickeln unsere Projekte gemeinsam, aber gleichzeitig hat jeder von uns auch einen eigenen Wege und Interessen.
Ich liebe es, digitale Dinge im Bereich Grafikdesign zu gestalten. Die Erstellung meiner Bücher ist vollständig meine eigene Arbeit – von der Idee über die Methodik bis hin zu den Spielen im Inneren. Von der ersten bis zur letzten Seite ist alles von mir gestaltet. Ebenso entwerfe ich jedes Plakat, jede Broschüre oder jedes Festivalheft selbst.
Er hingegen ist perfekt in der Organisation von Stundenplänen und Zeitmanagement. Er komponiert, orchestriert und hat eine große Leidenschaft für die Studioarbeit, da er mit professionellen Mikrofonen aufnimmt. So entstand auch sein eigenes Studio, und daraus entwickelte sich seine Tätigkeit als Toningenieur weiter – inklusive Mixing und Mastering, also der gesamte Prozess von A bis Z bei der Produktion, zum Beispiel einer CD.
Unser musikalisches „Baby" ist unser gemeinsames Debütalbum „Mozart" – dort sind wir nicht nur Interpreten, sondern auch Kreative: ich im Design, er in der klanglichen Produktion.
Ich denke, wir ergänzen uns perfekt, lassen uns aber gleichzeitig Raum für Fantasie und individuelle Freiheit. Wir teilen unsere Aufgaben auf und versuchen, uns nicht gegenseitig im Weg zu stehen...
Am meisten streiten wir tatsächlich, wenn wir zusammen musizieren – auch wenn das nicht oft vorkommt... Wir respektieren die Zeit des anderen und treffen uns nie zum gemeinsamen Spielen, ohne jeweils gut vorbereitet zu sein. Vielleicht arbeiten wir deshalb auch relativ schnell zusammen... Für ein Konzert brauchen wir meistens nur zwei bis drei gemeinsame Proben... während viele Menschen denken, wir würden täglich gemeinsam üben und uns oft fragen, wie viele Stunden wir pro Tag proben... Dabei ist es ganz anders...
Musik ist für mich Glück, Ausdruck und eine Lebensweise!
Das Interview wurde geführt von Svetlana Zheleva und Dessislaw Pajakoff
In einer Reihe von Artikeln werden wir sie mit dem Leben und den Schöpfungen des Komponisten Vladimir Pantchev bekannt machen.
