Musikalische Höhepunkte des Konzertpianisten und Komponisten Martin Ivanov

Wie haben Sie zur Musik gefunden? Wer hat sie beeinflusst? Hat jemand Sie eingeführt?

- Mein musikalischer Weg begann ganz selbstverständlich im Elternhaus. Meine erste Lehrerin war meine Mutter, Krasimira Ivanova, die die Grundlagen meines musikalischen Denkens von frühester Kindheit an prägte und mit der ich bis zu meinem 18. Lebensjahr intensiv gearbeitet habe. Die Begegnung mit Sultana Markovska erwies sich anschließend als entscheidend – sie steht in der Tradition der großen russischen Schule, und über mehr als ein Jahrzehnt hinweg arbeiteten wir intensiv an Klang, Detail und jener Disziplin, die jeder ernsthaften Interpretation zugrunde liegt.

Mit 18 Jahren kam ich nach Wien, um mein Studium bei Oleg Maisenberg fortzusetzen – ein Umfeld, das meinen Horizont deutlich erweitert und meine Arbeit in einen größeren künstlerischen Kontext gestellt hat.

 

Sie musizieren gemeinsam mit Ihrem Bruder. Welche Dinge machen Sie noch gemeinsam?.......Gibt es einen Wettstreit zwischen ihnen beiden?

 - Mein Bruder und ich gehören nicht zu den Musikern, die ständig gemeinsame Projekte suchen. Wenn wir jedoch zusammen auf der Bühne stehen, ist die künstlerische Idee sehr klar: ein Niveau zu zeigen, das keine Kompromisse kennt. In den vergangenen Jahren gab es einige solcher Konzerte, bei denen es uns genau darum ging – den Unterschied zwischen oberflächlichem Musizieren und echter, substantieller Arbeit am Instrument hörbar zu machen. 

 

Bitte erzählen Sie uns über Ihre Zusammenarbeit mit Maria Ramlachanova Ihrer Ehefrau. Was unterscheidet sie von anderen Violinistinnen?

Die Zusammenarbeit mit meiner Frau Maria basiert auf einem klaren Prinzip: absolute Gleichberechtigung auf der Bühne und vollständige Freiheit in der musikalischen Gestaltung. Sie ist eine Musikerin, die das Risiko nicht scheut – im Gegenteil, sie greift oft zu anspruchsvollem und herausforderndem Repertoire mit einer Spontaneität, die eine starke Bühnenpräsenz erzeugt. In der Vorbereitung strukturiere ich häufig die Programme, doch im Moment des Musizierens ist das Gleichgewicht vollkommen – genau das macht unsere gemeinsame Arbeit lebendig und unvorhersehbar.

 

Bitte erzählen Sie uns mehr über die beiden bevorstehenden Events : Der eine steht Ende April bevor der zweite im Juni. Das sind nicht nur Termine im Kalender für Sie, wie Maria bemerkt. Beide sind außergewöhnliche Projekte, musikalische Höhepunkte.

- Am Ende der Saison stehen im Ehrbar Saal die beiden letzten Konzerte der Reihe „KlavierTOTAL“ an: „Schwarz & Weiß im Duett – Wenn zwei Brüder loslegen“ (26. April 2026, 11:00 Uhr) und „Liszt und die Kunst der Technik – von Fingerübungen zu Feuerwerken“ (7. Juni 2026, 11:00 Uhr).

Sie sind eine konsequente Fortsetzung einer Linie, in der das Programm nicht als bloße Abfolge von Werken verstanden wird, sondern als klar durchdachtes Konzept. Gerade im zweiten Konzert stellt der Fokus auf Liszt die Frage nach Technik nicht als Selbstzweck, sondern als Ausdrucksmittel – ein Aspekt, der im heutigen pianistischen Denken häufig verloren geht.

 

Informationen zur Reihe: https://kulturvereinamadeusite.com/klavier-total/
Online-Tickets: https://shop.eventjet.at/de/faf9c3d8-2d98-493c-89a3-b4f4a9cde160

 

Wenn man von einem „musikalischen Gipfel“ sprechen möchte, dann ist es kein einzelnes Konzert, sondern ein langfristiges Projekt: die Aufführung aller Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt. Dieses Vorhaben verlangt nicht nur physische Ausdauer, sondern vor allem eine klare dramaturgische Konzeption und ein stilistisches Verständnis, das über reine Virtuosität hinausgeht.
Das Projekt wird in verschiedenen Konzertformaten weitergeführt und unter anderem im November 2026 erneut im Ehrbar Saal präsentiert.

 

Wie erholen Sie sich zu Hause – Ihre Kinder musizieren, Sie kommen aus einer Familie die eng mit der Musik verbunden ist. Auch Ihr Bruder ist ein Virtuose. Welche Themen interessieren Sie beide noch außer der Musik?   

Das Leben abseits der Bühne ist weit weniger spektakulär, als man vielleicht vermuten würde. Der Alltag besteht aus Organisation, Kommunikation, Studioarbeit, Projektplanung – und natürlich Zeit mit der Familie. Wir haben zwei Kinder, die bereits ihre eigenen musikalischen Wege gehen, doch die Gespräche zu Hause drehen sich nicht ausschließlich um Musik. Für mich ist Schach ein wichtiger Ausgleich – ein Feld, mit dem ich mich seit einigen Jahren intensiv beschäftige und das in seiner Konzentration, strategischen Tiefe und Geduld viele Parallelen zur Musik aufweist.

 

 

 Das Interview wurde geführt von Svetlana Zheleva und Dessislaw Pajakoff

 

Прочетено 375 пъти Последна промяна от Четвъртък, 11 Юни 2026 17:25
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