Regenerative Therapien bei Knorpelschäden und Arthrose

Wie ein individueller Behandlungsplan den Gelenkerhalt unterstützen kann.
Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits,
Unfallchirurg, Sporttraumatologe und Orthopäde
Vienna Cartilage Center | Wien
Ein Knorpelschaden bedeutet nicht automatisch, dass ein künstliches Gelenk notwendig wird. Heute stehen verschiedene konservative, orthobiologische und operative Möglichkeiten zur Verfügung. Welche davon sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob ein begrenzter Defekt oder eine fortgeschrittene Erkrankung des gesamten Gelenks vorliegt.
Ein Knorpeldefekt ist nicht dasselbe wie Arthrose
Gesunder Gelenkknorpel ermöglicht reibungsarmes Gleiten und verteilt Belastung. Nach einem Unfall oder einer Sportverletzung kann eine umschriebene Stelle geschädigt sein, während das übrige Gelenk noch gut erhalten ist. Bei Arthrose sind dagegen häufig mehrere Strukturen betroffen, darunter der Knochen unter dem Knorpel, die Gelenkschleimhaut und am Knie auch die Menisken.
Diese Unterscheidung hat praktische Folgen. Ein klar begrenzter Defekt kann sich für eine lokale Rekonstruktion eignen. Bei ausgedehntem Verschleiß mehrerer Gelenkflächen lässt sich das Problem meist nicht durch die Reparatur einer einzelnen Stelle lösen. [1]
Die Untersuchung betrachtet das gesamte Gelenk
Beschwerden, Beweglichkeit und persönliche Belastungsziele bilden den Ausgangspunkt. Belastete Röntgenaufnahmen zeigen die Gelenkspaltverhältnisse. Eine MRT kann Knorpel, Menisken, Bänder und den darunterliegenden Knochen genauer darstellen. Die Bildgebung richtet sich nach der konkreten Fragestellung.
Ebenso wichtig sind Beinachse, Bandstabilität und die Führung der Kniescheibe. Eine rekonstruierte Knorpelfläche kann weiter überlastet werden, wenn relevante mechanische Ursachen bestehen bleiben. Deshalb kann ein gelenkerhaltender Plan auch eine Meniskusnaht, eine Bandstabilisierung oder eine Achskorrektur umfassen.
Bewegung und Muskelkraft bleiben die Grundlage
Bei Arthrose gehören individuell angepasstes Training und verständliche Information zu den zentralen Behandlungsmaßnahmen. Kraft, Ausdauer und Koordination helfen, die Gelenkfunktion zu verbessern. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion zusätzlich entlasten. Das Programm soll langfristig umsetzbar sein und sich an Beschwerden und Leistungsfähigkeit orientieren. [2]
Je nach Befund kommen Schmerzbehandlung, Hilfsmittel oder orthobiologische Verfahren hinzu. Sie sollen Bewegung ermöglichen und die aktive Rehabilitation unterstützen.
Was Injektionen beitragen können
PRP wird aus dem eigenen Blut gewonnen und kann bei ausgewählten Menschen mit leichter bis mittelgradiger Kniearthrose zur symptomatischen Behandlung erwogen werden. Ziel sind weniger Schmerzen und eine bessere Funktion. Auch Präparate aus Knochenmark oder Fettgewebe werden untersucht und in bestimmten Situationen eingesetzt. Ihre Wirksamkeit ist produktabhängig; eine allgemeine Überlegenheit gegenüber einfacheren Behandlungen ist nicht gesichert. [3, 4]
Injektionen können mechanische Probleme wie eine Fehlstellung nicht korrigieren. Eine vollständige Wiederherstellung des arthrotischen Gelenks ist ebenfalls nicht nachgewiesen. Regenerativ beschreibt ein therapeutisches Prinzip oder Ziel, keine Zusage eines neuen Gelenks.
AutoCart als einzeitige Knorpelrekonstruktion
Bei ausgewählten umschriebenen Knorpeldefekten kann eine operative Versorgung mit eigenem Knorpelgewebe infrage kommen. Bei AutoCart wird geeignetes Gewebe während eines Eingriffs gewonnen, in kleine Fragmente zerkleinert und zusammen mit körpereigenen Blutbestandteilen in den vorbereiteten Defekt eingebracht. Die Fragmente enthalten Knorpelzellen und Anteile ihrer natürlichen Matrix.
Eine Zellvermehrung im Labor entfällt. Dennoch muss das Reparaturgewebe nach der Implantation erst einheilen und reifen. Ob AutoCart geeignet ist, hängt von Defektlage, Tiefe, Knochenzustand und Begleitproblemen ab. [1]
Knorpelzelltransplantation mit einem zweiten Eingriff
Bei der autologen Knorpelzelltransplantation wird zunächst eine kleine Knorpelprobe entnommen. Die Zellen werden im Labor vermehrt und nach mehreren Wochen in einer zweiten Operation in den Defekt eingesetzt. Dieses Verfahren ist von der einzeitigen Verwendung kleiner Knorpelfragmente zu unterscheiden. [5]
Das AustroCart-Konzept des Vienna Cartilage Center verbindet österreichische Zellkultivierung und möglichst arthroskopische Implantation. Die injizierbare Zellmatrix wird operativ am Defekt platziert. Es handelt sich um eine lokale Knorpelrekonstruktion, die bei fortgeschrittener Arthrose in der Regel nicht geeignet ist.
Rehabilitation ist ein Teil der Rekonstruktion
Nach einer Knorpeloperation werden Belastung und Bewegung nach einem individuellen Protokoll gesteuert. Abhängig vom Defekt und möglichen Begleiteingriffen können Krücken, eine Orthese oder eine Bewegungsschiene erforderlich sein. Muskelkraft und Koordination werden schrittweise aufgebaut. Lauf-, Sprung- und Drehbelastungen brauchen häufig eine mehrmonatige Vorbereitung und eine gezielte Freigabe.
Zu den Risiken gehören unter anderem Infektion, Nachblutung, Thrombose, Bewegungseinschränkung und eine unzureichende Einheilung. Beschwerden können bestehen bleiben oder weitere Eingriffe notwendig werden. Die biologische Heilung braucht auch bei kleinen Hautschnitten Zeit. [1, 5]
Gelenkerhalt braucht eine realistische Entscheidung
Das eigene Gelenk möglichst lange funktionsfähig zu erhalten, ist ein wichtiges Ziel. Bei schwerer Arthrose mit anhaltender erheblicher Einschränkung kann jedoch ein Gelenkersatz die sinnvollere Lösung sein. Entscheidend sind Beschwerden, Funktionsverlust und die zu erwartende Verbesserung der Lebensqualität. [2]
Im Vienna Cartilage Center verbinden wir Diagnostik, Orthobiologie und rekonstruktive Chirurgie. Der Zustand des gesamten Gelenks und die persönlichen Ziele bestimmen den Behandlungsplan.
Quellen und Angaben zum Beitrag
Redaktioneller Anhang | Stand 8. Oktober 2026
Autor und Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits
Unfallchirurg, Sporttraumatologe und Orthopäde
Leiter des Vienna Cartilage Center
Zentrum für Knorpelregeneration, Orthobiologie und Gelenkerhalt; Wien

Websites: www.marlovits.at und www.knorpel.at

Heiligenstädter Straße 46-48, Ebene 4/Top 7, 1190 Wien
+43 660 922 0 555
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Der Beitrag vermittelt allgemeine medizinische Informationen. Die Wahl einer Behandlung setzt eine individuelle ärztliche Untersuchung und Beratung voraus.

 

Прочетено 1 пъти Последна промяна от Неделя, 11 Октомври 2026 17:26
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